Kerzenknöterich & Co

Kerzenknöterich Bistorta amplexicaulis (syn.: Persicaria amplexicaulis) im Garten Picker / Borken (PE)

„Knöterich? Um Himmelswillen keinen Knöterich! Wir sind froh, dass wir ihn nach Jahren aus unserem Garten verbannt haben!“

 

Ursachen solcher Äußerungen von Gartenliebhabern beruhen auf dem unbändigen Ausbreitungsdrang des Schlingknöterichs (Fallopia baldschuanica, syn.: F. aubertii, syn.:Polygonum aubertii), des Japanknöterichs (Fallopia japonica, syn.: Reynoutria j.) oder des Sachalinknöterichs (Fallopia sachalinensis, syn.: Reynoutria s.). Sie können als Neophyten tatsächlich zur Gartenplage werden.

 

Die genannten Arten wurzeln mehrere Meter tief im Boden, ihre Rhizome machen oft zwei Drittel der ganzen Pflanze aus und sind daher nur schwer zu entfernen. Oberirdisch sind sie besonders wuchsstark und verdrängungsaktiv: So werden Japan- und Sachalinknöterich bis zu 4 m hoch und die Triebe des Schlingknöterichs bis 9 m lang. Letzterer wird deswegen als „Architektentrost“ bezeichnet, weil er schnell unschöne Gebäude oder Sicht- und Lärmschutzwände kaschiert. Im Hausgarten werden diese Knöteriche wegen ihres Verdrängungspotentials aber schnell unerwünscht.

 

Leider bringen diese drei invasiven Knöteriche als Neophyten (= etablierte, nicht heimische Pflanzen) so eine ganze Pflanzengruppe in Verruf, die durch viele eindrucksvolle Arten und Sorten die Staudenvielfalt im Hausgarten vom Sommer bis in den Spätherbst bereichern. Insbesondere die vielen neuen Züchtungen des Kerzenknöterichs (Persicaria amplexicaulis) sind im Konzert mit hohen Gräsern, Salbei, Brandkräutern, Wiesenrauten, Herbstanemonen, Funkien oder Perowskien zu unverzichtbaren Stauden geworden. Ihre überlange Blütezeit von Juli bis November sowie der bodendeckende dichte Bestand der bis zum Spätherbst grünen Blätter, die breite Standortamplitude von voller Sonne bis zum tiefen Schatten und von feuchtem bis zu trockenem Boden macht den Kerzenknöterich zum pflegeleichten ´Tausendsassa´ unter den Stauden. Selbst mit Schnecken hat er kein Problem.

 

Den deutschen Namen ´Knöterich´ hat diese Pflanzengruppe vom Aussehen ihrer Stängel, die beim Wachsen in Abständen knotige Verdickungen ausbildet, die der Stängelstabilisierung dienen. Der ursprüngliche botanische Gattungsname ´Polygonum´ wurde inzwischen zweimal aufgrund neuer Untersuchungen geändert.

Nach neuester Nomenklatur (= botanische Namengebung) ist die Gattung Persicaria mit dem Namen „Bistorta“ belegt. Dieser Name hat sich in der Praxis bisher aber  noch nicht durchgesetzt, so dass in vielen Katalogen die Kerzenknöteriche immer noch als Persicaria bezeichnet werden.

 

Das Sortiment ist in den letzten 20 Jahren aufgrund ihrer Beliebtheit enorm gewachsen. Beispielhaft seien folgende Sorten und die Farbe ihrer Blütenkerzen

genannt:

„Alba“ (rosafarbene Knospen öffnen nach weiß), „Dikke Floskes“ (weinrot), „Firetail“ syn.: ´Speciosa´(scharlachrot), „Orangefield“ (orangerosa), „Blackfield“ (schwarzrot), „Rowden Gem“ (mauve), „Spotted Eastfield“ (rote Kerzen, panaschierte Blätter).

Der Bund Deutscher Staudengärtner hat den Kerzenknöterich zur Staude des Jahres 2012 gekürt und schreibt unter Anderem dazu:

 

Dank ihres sauberen Wuchses und des frischen Laubes harmonieren sie mit anderen Blattschönheiten wie Hosta und Storchschnabel. Die lange Blütezeit macht sie im Sommer zu Partnern von Phlox, Margeriten, hohen Veronika und Ligularien und lässt sie im Herbst zu voller Schönheit auflaufen, wenn die Pracht der Sommerstauden verblasst. Dann halten sie Zwiesprache mit Gräsern, Astern und Hohen Fetthennen (Sedum) und werden zu Charaktergestalten des Gartens.“

 

Neben den Kerzenknöterichen werden auch die wegen ihrer schönen Blattzeichnung im Handel befindlichen Persicaria virginiana, P. virginiana var. filiformis, P. runcinata

oder P. microcephala geschätzt. Allerdings benötigen sie stets feuchten Boden, Halbschatten und guten Winterschutz während der Kerzenknöterich, der ursprünglich aus dem Himalaya stammt, weniger anspruchsvoll ist. Nur bei stärkerem Frost wäre eine Laubabdeckung sinnvoll. Über den Winter schützt das abgestorbene Laub. Erst im Frühjahr werden die Knöteriche bodennah zurückgeschnitten.

 

Ein in jeder Hinsicht großartiger Knöterich ist der Bergknöterich Aconogonon polymorphum ´Johanniswolke´, syn.:Persicaria p.. Seine cremeweißen und später rosa überhauchten Blütenwolken beherrschen lange Zeit jeden Garten. Die mächtige bis 2 m hohe Großstaude sollte an windexponierten Stellen gestützt werden,

sonst kann es passieren, dass sie bei starken Windböen abknickt.

 

Ein niedriger, teppichbildender und unempfindlicher Bodendecker ist dagegen der Schneckenknöterich Persicaria affinis ´Superba´, der seinem deutschen Namen zum Trotz keinerlei Probleme mit Schnecken hat. Er eignet sich für Bepflanzungen des Beetvordergrundes , von Wegrändern und Steingartenpartien, die im Tagesverlauf nicht dauernd in der Sonne liegen.

 

Knöteriche sind es wert, sich im Hausgarten mit ihnen zu beschäftigen. Ihre Robustheit und lange Blütezeit bis in den Spätherbst hinein sowie ihre gute Bodenbeschattung machen sie insbesondere für größere Gärten und Parkanlagen unverzichtbar.

 

Text:            U Perpeet

 

Bildmaterial:  Christiane Frost (CF), Helga Meyer (HM) und Jochen Wegner (WE),

 jeweils mit freundlicher Genehmigung aus ihren Webseiten; alle

                      übrigen Bilder Ulrich Perpeet (PE)

 

Weitere Informationen über die Kerzenknöteriche finden Sie im Internet, wenn Sie auf jeweils einen der Links klicken:

 

Eine Begutachtung von Kerzenknöterichen durch Thorsten Matschies / Alst:

https://persicaria.de/

 

Meine Knöteriche – Eine umfangreiche Beschreibung von Knöterichen durch den Garten- und Landschaftsplaner Jörg Pfenningschmidt / Hamburg:

https://persicaria.de/2011/06/meine-knoteriche/

 

Sortenbeschreibung von Kerzenknöterichen bei Staudengärtnerei A. Eskuche:

https://stauden-eskuche.de/Persicaria/Bistorta-Kerzenknoeterich

 

Staude des Jahres 2012:

https://www.staude-des-jahres.de/content/knoeterich.php?subnav=2012

 

Pe, 02/21