Der Diptam - blendet, duftet, knallt und brennt

Diptam (Dictamnus albus) in Blüte im Duftgarten des Deutschen Rosariums in Dortmund (Pe)

 

Der Diptam ist eine recht seltene Wildstaude, die mit ihren bezaubernden Blütenständen im Mai und Juni Aufsehen erregt und nur noch an wenigen Naturstandorten in Bayern, Hessen, Baden-Württemberg oder Sachsen-Anhalt zu finden ist. Bereits seit 1936 steht der Diptam in Deutschland unter Naturschutz. In speziellen Staudengärtnereien – wie etwa bei Gaissmayer in Illertissen - kann man sie jedoch als Jungpflanzen beziehen und als besondere Schmuckstücke in seinem Garten integrieren. Allerdings sind dazu einige Standortbedingungen zu beachten und vor allem braucht man etwas Geduld bis sie ihre volle Pracht entfalten.

 

Der Diptam (botanisch: Dictamnus albus) ist eine ausdauernde, krautige Pflanze mit kriechenden, weißlichen Rhizomen (deshalb der Artname ´albus´), die eine Wuchshöhe von 60 bis 120 cm erreicht.

Die Pflanze wächst horstig aufrecht und ihre Stängel sind unverzweigt. Die Laubblätter sind unpaarig gefiedert und erinnern an Eschenblätter, daher stammt auch der volkstümliche Name ´Eschenwurz´ oder ´Aschwurz´.

 

Zur Blütezeit ist der Diptam eine blendende Erscheinung. An seinen traubigen Blütenständen  entwickeln  sich fünfzählige Einzelblüten von 4 bis 6 cm Durchmesser, die sich am Blütenstand von unten nach oben öffnen. Die rosafarbenen - selten weißlichen - Kronblätter besitzen eine hübsche, purpurfarbene Aderung. Die weit herausragenden Staubblätter sind nach oben gekrümmt.  Neben der Wildart gibt es im Handel auch eine rein weiß blühende Sorte mit dem botanischen Namen Dictamnus albus ´Albiflorus´.

Nach dem Abblühen entwickeln sich die Kapselfrüchte, die im Hochsommer reifen und eintrocknen. Wenn durch die Trocknungsspannung die Fruchtschalen schließlich reißen, rollen sie sich ein und schleudern die kugeligen, etwa 4 mm dicken Samen bis zu 5 m weit heraus. Das Aufplatzen der Fruchtkapseln wird durch ein hörbares Knallen begleitet.

 

Die Fähigkeit des Diptam sehr viel ätherisches Öl zu produzieren macht ihn zur Duftstaude. In der Reifezeit scheiden die Drüsen der Fruchtstände insbesondere bei warmem Wetter so viele Öltröpfchen ab, dass die Staude bei entgegenkommendem Luftzug bereits von Weitem gerochen werden kann. Der Duft erinnert an eine Mischung von Zitrone und Vanille.

Das Öl der drüsigen Beborstung enthält allerdings auch fototoxisch wirkende Stoffe, die bei Hautberührung und nachfolgender Besonnung zu schweren Verbrennungen führen können.  Daher sollte man bei Gartenarbeiten im unmittelbaren Umfeld des Diptam Beine und Arme nicht unbekleidet lassen sowie Handschuhe tragen.

 

Die extrem flüchtigen Öle enthalten zudem die hochentzündliche Flüssigkeit Isopren, deren Dämpfe schwerer als Luft sind. Sie machen aus dem Diptam den ´Brennenden Busch´. An windstillen Tagen lassen sich die Isoprendämpfe durch eine Zündquelle

zum kurzzeitigen Entflammen bringen (Vgl. eingebettetes Video!).

 

Was ist bezüglich der Standortansprüche des Diptam zu beachten?

Am besten wachsen die Pflanzen in durchlässigen und leicht kalkhaltigen Gartenböden an einem sonnigen, warmen Platz. Nach der Pflanzung benötigt der Diptam zum Einwachsen bei trockenem Wetter gelegentlich etwas Wasser. Als Schwachzehrer  möchte er eher nicht gedüngt werden. Vor allem missfällt ihm wegen seiner flachziehenden Rhizome jede Bodenbearbeitung in seiner Nähe: Wildkraut sollte daher gejätet werden. Zur Austriebszeit im Frühjahr sind die jungen Triebe etwas schneckengefährdet, insbesondere dann, wenn man selbstgezogene Sämlinge pflanzt. Ein Rückschnitt der herbstlich sehr dekorativen Blütenstände sollte erst im Frühjahr etwa 20 cm über dem Boden erfolgen.

 

Weshalb benötigt man mit ihm zu Anfang etwas Geduld?

Der Diptam ist kein Schnellstarter.  Er braucht etwa zwei bis drei Jahre, um gut einzuwachsen und Blütenstände zu entwickeln. Danach ist er aber  sehr robust, pflegeleicht und kaum anfällig für Krankheiten und Schädlinge, wenn man einmal von Schnecken absieht, die die ganz jungen Triebe und Blätter zum Fressen gern haben.

 

Text und Bilder: Ulrich Perpeet; Aufnahmen im Duftgarten des Deutschen Rosariums

Quellen:             Jelitto/Schacht/Fessler, Die Freilandschmuckstauden,

                          1985, Verlag Eugen Ulmer;

                           Wikipedia:https://de.wikipedia.org/wiki/Diptam

 

Youtube-Video über Isopren-Entzündung:

https://www.youtube.com/watch?v=I1sQmZ1EzhA

 

https://www.youtube.com/watch?v=OH7u4xFmpP0

 

Bienen auf Diptam im Botanischen Garten Warschau:

https://www.youtube.com/watch?v=cYTFjSZJmVM

 

Pe, 06/18