Patagonisches Eisenkraut –

ein Nektar- und Pollenlieferant erster Güte

Schwalbenschwanz auf Patagonischem Eisenkraut (PE)

 

Das patagonische Eisenkraut wird auch als argentinisches Eisenkraut bezeichnet. Seinen botanischen Artnamen ´Verbena bonariensis´ erhielt es von dem südamerikanischen Ort Buenos Aires, in dessen Nähe es erstmalig pflanzenkundlich erfasst wurde. Seine natürliche Verbreitung reicht in Südamerika von Patagonien (in Chile und Argentinien) bis Uruguay und Südbrasilien – und dort besonders in den wintertrockenen Regionen im Regenschatten der Anden.

 

Die kleinen blauvioletten Blüten stehen dichtgepackt in Scheindolden auf gabelästig verzweigten aufrechten und wenig belaubten Stängeln. Die schmalen elliptischen Blätter haben einen gesägten Rand und sitzen kreuzgegenständig an den vierkantigen Stängeln, die eine hohe Festigkeit gegen Abknicken besitzen. Die Stängel sind fein behaart. Verbena bonariensis wächst horstig und am Ende der hohen Stängel scheinen die Blütenstände regelrecht zu schweben, wenn sie durch den Wind bewegt werden.

 

Die Blütezeit erstreckt sich von Juni/Juli bis Oktober. In dieser Zeit werden die Blüten ständig von Schmetterlingen, Bienen, Schwebfliegen und Hummeln besucht, die dort Nektar und Pollen aufnehmen. Insbesondere im blütenärmeren Spätsommer lässt sich am Eisenkraut eine große Zahl von nahrungssuchenden Insekten beobachten. Selbst das seltene Taubenschwänzchen findet sich ein – wie ich in einer niederländischen Staudengärtnerei beobachten konnte.

 

Neben der reinen Art, die zwischen 100 und 150 cm hoch wird, sind auch zwei kompaktere Sorten im Handel. Die Sorte ´Lollipop´ wird nur 50 bis 60 cm hoch und die Sorte ´Cloud´ mit einem etwas größeren Blütenstand erreicht sogar nur Höhen von 40 bis 50 cm. Diese beiden Sorten gehören allerdings eher zum Beet- und Balkonpflanzen-Sortiment während die reine Art mit ihrem lichten und höheren Wuchscharakter sowohl in Prärie- und Steppenpflanzungen, Stein- und Kiesgärten sowie im gemischten Staudenbeet mit Rosen wunderbare Gartenbilder zaubert. Mit ihrem filigranen Wuchs und ihren hohen Stängeln lockert das Patagonische Eisenkraut jede kompakte Gruppenpflanzung auf und verleiht ihr dadurch Leichtigkeit und Eleganz.

 

Verbena bonariensis bevorzugt wie in ihrer ursprünglichen Heimat durchlässige und eher wintertrockene Böden. In einem schweren Boden empfiehlt sich eine Untermischung von Splitt oder Lavagranulat, damit die Winterfeuchte gut abziehen kann. Dazu sollte im Spätherbst nach Rückschnitt eine Abdeckung mit Reisig und / oder Laub erfolgen. In Europa gilt das Eisenkraut als kurzlebig. Da es sich aber gut versamt, lässt sich ein Bestand insoweit gut sichern, wenn einmal ein harter Winter einsetzen sollte. Maßgebend für die Winterhärte des Eisenkrauts ist die Bodenfeuchtigkeit: Je trockener, desto widerstandfähiger gegen tiefere Temperaturen.

 

Von Staudengärtnereien wird generell eine Frühjahrspflanzung empfohlen. Samen können vom Herbst bis zum frühen Frühjahr in Töpfen bei Temperaturen von 18 bis 21°C vorgezogen werden. Bei Aussaat von Februar bis April sollte das Saatgut vor der Aussaat etwa 1 bis 2 Tage zur Stratifikation in den Kühlschrank und danach einige Stunden  über Nacht in lauwarmem Wasserbad vorquellen. Bei 21-24°C beträgt die Keimdauer etwa 10 Tage.  Ohne Stratifikation dauert das Keimen erheblich länger. Jungpflanzen sollten generell erst nach den Eisheiligen im Freiland ausgepflanzt werden.

 

Die Britische Königliche Gartenbaugesellschaft (RHS) hat dem Patagonischen Eisenkraut nach ausgiebigen Tests den `RHS-Award of Garden Merit´ verliehen und als hervorragende Gartenpflanze eingestuft. Sie benötigt kaum Pflege. Sinnvoll ist ein gelegentliches Entfernen abgeblühter Blütenstände: Das fördert den Neuansatz von weiteren Blütenanlagen. Mit den vierkantigen Stängeln qualifiziert sich dieses Eisenkraut auch als ausgezeichnete Schnittblume für Vasenschmuck und für Blumengebinde.

 

Eine weitere Eisenkrautart ist das Lanzen-Eisenkraut ´Verbena hastata´ aus Nordamerika. Mit seinen kandelaberartig wachsenden Blütenständen ist es eine attraktive, ins Auge fallende Staude, die sich im Gegensatz zu Verbena bonariensis für eine Einzelstellung besonders eignet. Sie wird 150 bis 175 cm hoch, liebt eher ein etwas feuchteres Bodenmilieu. Der Blütenflor erscheint von Juli bis September. Auch diese Art ist kurzlebig, versamt sich aber an zusagenden Stellen. Von dieser Eisenkrautart sind zwei Auslesen im Handel, die zwischen 120 und 150 cm hoch werden. Die Sorte ´Blue Spires´ besitzt blauviolette Blüten während ´Pink Spires´ rosa blüht.

Text:         Ulrich Perpeet

Bilder:       Ulrich Perpeet (PE) und Helga Meyer (HM) mit freundlicher Genehmigung

Video:       Meine Stars im Staudenbeet, Start über nachfolgenden Link:

https://www.youtube.com/watch?v=UYI0r8jFPwg

 

Pe,10/18