Rotlaubige Purpurglöckchen

Heuchera ´Palace Purple´ im Rosarium Dortmund

 

Die Sortenpalette der Purpurglöckchen (Heuchera) ist in den letzten 20 Jahren explodiert. Die Züchter überraschen uns bis heute immer wieder mit neuen Auslesen.

Neben Sorten mit grünen Blättern haben inzwischen Auslesen mit limonengrünen, gelben, bronze- und kupferfarbenen, kaffeebraunen, purpurroten und violetten oder marmorierten und farbig geaderten Blättern unsere Gärten als beliebte Blattschmuckstauden erobert. Neben den sortenspezifischen Blattfarben variiert auch die Form ihrer Blattränder. Sie sind beispielsweise elegant gekräuselt, gelappt oder gerüscht, wodurch sich ihre Blattschmuckwirkung weiter erhöht. Die Beliebtheit der Purpurglöckchen hat ihre Ursache auch in der Tatsache, dass sie ´wintergrün´ bleiben und sehr winterhart sind.

 

Zahlreiche Sorten haben auch ansprechende Blütenstände mit weißen, cremefarbenen, gelben, rosafarbenen oder roten Blütenglöckchen, die sich je nach Sorte von Mai bis September entfalten und so zusätzlich eine schöne Blütenschmuckwirkung ergeben.

 

Nicht nur in Hausgärten sondern auch in Grünanlagen und Parks haben zahlreiche Heuchera-Sorten Eingang gefunden, weil sie sehr robust und wenig pflegeaufwendig sind. Selbst von Schnecken werden sie verschont. Während die Grünlaubigen Sorten sowohl mit sonnigen als auch halbschattigen Plätzen vorlieb nehmen, benötigen die gelblaubigen und karamellfarbenen etwas mehr Sonne, weil sie im Halbschatten schnell vergrünen. Die Rotlaubigen benötigen volle Sonne und kommen auch mit etwas trockenerem Boden zurecht während alle übrigen Sorten eher einen frischeren und etwas feuchteren, humusreichen Boden lieben. Darauf sollte bei der Standortwahl unbedingt geachtet werden, damit ihre Wuchsfreude nicht gedämpft wird.

 

Besonders die rotlaubigen Sorten sind als Sonnenliebhaber interessante Rosenbegleiter. Sie bringen in Kombination mit lichten Farben von Stauden und Rosen - in Gruppen gepflanzt - Tiefe ins Pflanzbeet. Niedrige Sorten eignen sich auch vorzüglich zur Beetbegrenzung.

 

Bereits 1980 entstand das erste rotlaubige Purpurglöckchen: Heuchera villosa f. purpurea ´Palace Purple´, das bis heute noch zum Standardsortiment der Staudengärtner zählt, obwohl inzwischen neue ausgezeichnete Sorten hinzugekommen sind. Diese Sorte gab damals den Startschuss für die bis heute fast überbordende Züchtungsarbeit, weil dadurch die Nachfrage des Marktes stark anstieg.

 

Der Arbeitskreis Staudensichtung im Bund Deutscher Staudengärtner e.V. hat in den Jahren von 1998 bis 2004 mehr als 60 Sorten auf ihren Verwendungswert in Gärten und Parkanlagen geprüft und von 2014 bis 2016 nochmals über 120 Sorten gesichtet. Dabei wurden die Sorten nach folgenden Prüfkriterien bewertet:

  • Widerstandsfähigkeit gegenüber Schädlingen und Krankheiten

  • Blattschmuckwirkung

  • Vitalität und Gesamteindruck

    mit primärem Bewertungsgewicht;

  • Winterhärte

  • Reichblütigkeit

  • Standfestigkeit der Blütenstiele

  • Blütenschmuckwirkung

  • Winterwirkung

  • mit sekundärem Bewertungsgewicht.

Das Prädikat „ausgezeichnet“ erhielten danach folgende rotlaubige Sorten, die auch in Bildern vorgestellt werden:

  • Amethyst Myst

  • Beaujolais

  • Brown Sugar

  • Cajun Fire

  • Dark Secret

  • Mocha

  • Molly Bush

  • Prince

  • Silver Scrolls

  • Stormy Seas

  • Sugar Frosting..

 

Purpurglöckchen entwickeln sich aus einer grundständigen Rosette zu horstig wachsenden Pflanzen. Sie werden je nach Sorte 25 – 45 cm hoch, ihre Blütenstiele erreichen sortenspezifisch 45 – 100 cm. Die Bodenrhizome besitzen die Eigenart, allmählich aus dem Boden herauszuwachsen, womit sie sich in ihrer ursprünglichen Heimat an die jährliche Laubschüttung der lichten Wälder – ihrem Naturstandort – angepasst haben. In unseren Gärten sind sie daher für eine Laubkompostgabe im Frühjahr dankbar, nachdem wir die abgestorbenen Altblätter und trockenen Blütenstiele des Vorjahres bodennah abgeschnitten haben. Zusätzlich empfiehlt sich eine leichte Nährstoffgabe mit einem organischen Dünger.

 

Heucheras lassen sich leicht durch Teilung vermehren. Dazu nimmt man sie nach 3 bis 4 Jahren auf, teilt sie und pflanzt sie neu. So werden sie verjüngt, was ihrer Wüchsigkeit zugutekommt. Überbleibendes Material lässt sich leicht topfen und verschenken bzw. mit Liebhabern tauschen.

 

Die Gattung Heuchera ist in Nordamerika beheimatet und kommt dort mit über 50 Arten von Kanada bis Mexiko vor. Botanisch gehört die Gattung in die Familie der Steinbrechgewächse (Saxifragaceae). Züchterisch von Bedeutung für unser heutiges Sortiment sind vor allem Heuchera americana, Heuchera villosa, Heuchera sanguinea und Heuchera x brizoides.

 

Mit dem botanischen Gattungsnamen ehrte Carl von Linné den Naturwissenschaftler und Arzt von Heinrich dem Starken, Johann Heinrich Heucher, der von 1677 bis 1747 gelebt und gewirkt hat.

 

Die rotlaubigen Purpurglöckchen sind Sonnenkinder wie unsere Rosen. Das prädestiniert sie für ihren Hofstaat und macht sie zudem zu kontrastreichen Begleitern von grünlaubigen Stauden und Gräsern.

 

Text: Ulrich Perpeet

Bilder: Perpeet (Pe), Wikimedia Commons (WMC), Heuchera-Anbieter in Klammern genannt.

Die ganze Vielfalt der Purpurglöckchen:

https://www.youtube.com/watch?v=emdJM4ZxV_g

Pe, 09/17