Kerzenknöterich - Persicaria amplexicaulis

Kerzenknöterich (Persicaria amplexicaulis) im Gräsergarten von Helga Meyer, www.sandfrauchen.de - Bild: HM

 

„Knöterich? Um Himmelswillen keinen Knöterich! Wir sind froh, dass wir ihn nach Jahren aus unserem Garten verbannt haben!“

 

Ursachen solcher Äußerungen von Gartenliebhabern beruhen auf dem unbändigen Ausbreitungsdrang des Schlingknöterichs (Fallopia baldschuanica, syn.: F. aubertii), des Japanknöterichs (Fallopia japonica, syn.: Reynoutria j.) oder des Sachalinknöterichs (Fallopia sachalinensis, syn.: Reynoutria s.). Sie können als Neophyten tatsächlich zur Gartenplage werden.

 

Die genannten Arten wurzeln mehrere Meter tief im Boden, ihre Rhizome machen oft zwei Drittel der ganzen Pflanze aus und sind daher nur schwer zu entfernen. Oberirdisch sind sie besonders wuchsstark und verdrängungsaktiv: So werden Japan- und Sachalinknöterich bis zu 4 m hoch und die Triebe des Schlingknöterichs bis 9 m lang. Letzterer wird deswegen als „Architektentrost“ bezeichnet, weil er schnell unschöne Gebäude oder Sicht- und Lärmschutzwände kaschiert. Im Hausgarten werden diese Knöteriche wegen ihres Verdrängungspotentials aber schnell unerwünscht.

 

Leider bringen diese drei invasiven Knöteriche als Neophyten (= etablierte, nicht heimische Pflanzen) so eine ganze Pflanzengruppe in Verruf, die durch viele eindrucksvolle Arten die Staudenvielfalt im Hausgarten vom Sommer bis in den Spätherbst bereichern. Insbesondere die vielen neuen Züchtungen der Kerzenknöteriche (Persicaria amplexicaulis) sind im Konzert mit hohen Gräsern, Salbei, Brandkräutern, Wiesenrauten, Herbstanemonen, Funkien oder Perowskien zu unverzichtbaren Stauden geworden. Ihre überlange Blütezeit von Juli bis November sowie der bodendeckende dichte Bestand der bis zum Spätherbst grünen Blätter, die breite Standortamplitude von voller Sonne bis zum tiefen Schatten und von feuchtem bis zu trockenem Boden macht den Kerzenknöterich zum pflegeleichten ´Tausendsassa´ unter den Stauden. Selbst mit Schnecken hat er kein Problem.

 

Nach neuester Nomenklatur (= botanische Namengebung) ist die Gattung Persicaria mit dem Namen „Bistorta“ belegt. Dieser Name hat sich in der Praxis bisher aber noch nicht durchgesetzt, so dass in den Katalogen die Kerzenknöteriche immer noch als Persicaria bezeichnet werden.

 

Neben den Kerzenknöterichen werden auch die wegen ihrer schönen Blattzeichnung im Handel befindlichen Persicaria virginiana, P. virginiana var. filiformis, P. runcinata

oder P. microcephala geschätzt. Allerdings benötigen sie stets feuchten Boden, Halbschatten und guten Winterschutz während der Kerzenknöterich, der ursprünglich aus dem Himalaya stammt, weniger anspruchsvoll ist. Nur bei stärkerem Frost wäre eine Laubabdeckung sinnvoll. Über den Winter schützt das abgestorbene Laub. Erst im Frühjahr werden die Knöteriche bodennah zurückgeschnitten.

 

Ein in jeder Hinsicht großartiger Knöterich ist Aconogonon polymorphum ´Johanniswolke´, syn.:Persicaria p.. Seine cremeweißen und später rosa überhauchten Blütenwolken beherrschen lange Zeit jeden Garten. Die mächtige bis

2 m hohe Großstaude sollte an windexponierten Stellen gestützt werden, sonst kann es passieren, dass sie bei starken Windböen abknickt.

 

Nähere Beschreibungen der Persicaria-Sorten und deren Eigenschaften finden Sie,

wenn Sie den Links im Anschluss an die Bildergalerie folgen.

 

 

Text: U Perpeet, Einleitung nach einer Idee von Jörg Pfenningschmidt

Bildmaterial: Christiane Frost (CF), www.frost-burgwedel.de ; Helga Meyer (HM), www.sandfrauchen.de : Gabi & Jochen Wegner (GJW), www.wildstaudenzauber.de mit freundlicher Genehmigung; alle übrigen Bilder: Ulrich Perpeet (Pe)

Links:

Begutachtung der Kerzenknöteriche:

http://www.persicaria.de/2014/12/begutachtung-kerzenknoeteriche-bistorta-amplexicaulis/

 

Persicaria: bebilderte Sortimentsübersicht:

http://www.staudenfan.de/Stauden/Persicaria.html

 

Meine Knöteriche, Jörg Pfenningschmidt:

http://www.persicaria.de/2011/06/meine-knoteriche/

 

Shade loving plant (youtube).

https://www.youtube.com/watch?v=hLOwuIravI0

 

Pe, 10/16