Wohnhaus Hof Tüschenbonnen, Juni 2018 (Pe)

 

Tagesreise „Gärten im Bergischen Land“

 

Am Samstag, dem 11. Juni 2026, besuchte eine Reisegruppe der Rosenfreunde Dortmund mit dem Reiseunternehmen "Pretty Cottage" unter Führung unserer Rosenfreundin Brigitte Ruhnau drei besondere Privatgärten im Bereich Nümbrecht – Much – Wipperfürth. Nachdem die Teilnehmer vom Reisebus in Duisburg und Dortmund eingesammelt waren, ging es zunächst in das 8.000 m² große Gartenparadies von Günter Meyer, das in der vielsagenden Nümbrechter Ortschaft Rose liegt.

 

Hanggarten Meyer

 

Der große parkartige Garten Meyer liegt an einem nach Norden ausgerichteten Hang

und ist von einer etwa zwei Meter hohen Benjeshecke umgeben, die von der Gartenseite durch Strauchwerk und Bäume kaschiert wird. Damit hält Herr Meyer Wildschweine und Rehe von seinem Garten fern. Rehe würden zwar die Benjeshecke überwinden aber sie springen nicht in das Dunkle dahinter, erklärt Herr Meyer. Die beiden Probleme hat er damit gelöst. Dagegen bekommt er die Schermäuse nicht in den Griff, welche Blumenzwiebeln und frisch gepflanzten Obstbäumen oft den Garaus machen. Hinzu kommt das Problem der Niederschlagsarmut der letzten Jahre infolge der Klimaveränderung. All das erfordert passende Antworten des Gartenliebhabers.

 

Seine Antworten sind schattenspendende, tiefwurzelnde Gehölze wie Eiche, Esskastanie, Kiefer, Eibe, Rose. Im lichten Schatten und im Schlagschatten der Gehölzränder halten sich viele halbschattenverträgliche Stauden, wenn man gleichzeitig das Mulchen nicht vergisst. Mulchen ist das A&O, sagt er. So lässt er auch den Rasenschnitt zum Schutz der Gräser liegen – so lange wie es trocken bleibt. Mit dem Wasser aus seiner Zisterne muss er sorgsam umgehen. Das bekommt seinen wasserbedürftigen Hortensien nicht gut, so dass er sich von manchen trennen wird oder bereits getrennt hat. Der ursprüngliche Schwimmteich wurde von ihm wegen des Regenmangels zum Seerosen- und Feuchtpflanzenteich verkleinert. Im Randbereich des sonnenexponierten Gartenteichs blühten Inula, Agastache, Lilien und Frauenmantel. Im Randbereich von Gehölzen zeigten sich insbesondere blühende Hortensien und Funkien. Die Kletterrosen und Waldreben waren infolge der Trockenheit und wegen der fortgeschrittenen Jahreszeit bereits verblüht.

 

Das gesamte Gartenareal ist in verschiedene Gartenräume aufgeteilt. So kann der Gartenbesucher den Rhodendronwald, den Nutzgarten, die Hausgartenwiese mit Vogelhaus und Blauregenlaube in Hausnähe erkunden. Eindrücklich ist die Stele aus Blaubasalt auf der Hausgartenwiese, deren Kopf die künstlerisch Darstellung des Dörfchens Rose zeigt, die von einem Steinmetzen herausgearbeitet wurde. Der weitere Rundgang führt zum Beispiel zu einem Waldgarten mit Kompostplatz, zu einem  Bücherhaus, zu einem Pflanzen- und Seerosenteich, zu einem viktorianischen Gewächshaus oder zu einem neu gestalteten Senkgarten. Im ganzen Gartengelände überraschen viele interessante Skulpturen und besonders gezogene und geschnittene Gehölze.

 

Vor gut 45 Jahren ist der Norddeutsche Günter Meyer in das Dörfchen Rose gekommen und hat sich sofort in das obstbaumbestückte Grundstück verliebt. Der Gartenentwicklung folgten in dieser langen Zeit aufgrund eigener Erkenntnisse und Inspirationen durch vieler Gartenreisen nach Frankreich, England und die Niederlande so manche Umgestaltungsmaßnahmen. Den größten Teil der Gartenarbeit nehmen heute das Schneiden der Gehölze und der Rasenflächen, das Entfernen von Wildkraut und abgestorbener Pflanzen sowie das Mulchen von Stauden und flachwurzelnden Gehölze ein. Bei 8000 m² bedeutet das Gartenarbeit von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Wer Herrn Meyer sieht und zuhört kann nur bestätigen: „Gartenarbeit hält jung!“

 

Hof Tüschenbonnen – Garten und Kunst

 

Die denkmalgeschützte, ehemalige bäuerliche Hofanlage besteht aus einem wunderschönen Ensemble von Fachwerkgebäuden. Sie liegt im gleichnamigen Dorf in der Gemeinde Much und weist eine gut zweihundertjährige Geschichte auf.

 

Als Ende der neunziger Jahre die heutigen Besitzer Ute Brehm und Michael Schröter die Anlage erwarben, mussten zunächst die Gebäude renoviert werden

und der zugehörige Garten war nichts anderes als eine Kuhwiese, deren Umgestaltung zu einem Garten in vielen kleinen Schritten immer zwischendurch erfolgen musste. Einen Gartenplan gab es nicht. Heute sind die schöne Hofanlage und der zugehörige Landhaussgarten durch Presse und Fernsehen bekannt – ein Beweis für das gestalterische und künstlerische Geschick der Besitzer. Ute Brehm ist in diesem Team die Garten- und Pflanzennärrin, Michael Schröter ist als gelernter Maler und Grafiker im Team der Künstler. Seit Beginn der Zweitausender Jahre nehmen die Besitzer mit ihrem Garten auch an der „Offenen Gartenpforte – Bergisches Land“ teil.

 

Die Hofanlage selbst besteht aus einem Wohnhaus und einem angeschlossenen Atelier, aus einer großen Kaminscheune mit integrierten Gästeappartements sowie aus einer Remise mit Grillplatz. Der Hof beim Wohnhaus ist noch mit dem alten Kopfsteinpflaster befestigt, dass die Hofgeschichte optisch und gefühlsmäßig unterstreicht. In ihm gedeiht eine umfangreiche Hosta-Sammlung. Ein Wassergarten im Innenhof mit einer Wasserschüttung aus einer Mauer sorgt mit seinem Sitzplatz für besinnliche Kühle im Sommer.

 

Über eine Treppenanlage geht es in den Hanggarten, der sich nach Norden zu einem Wäldchen neigt. Durch Trockenmauern und Gehölzstreifen werden Hangbereiche gegliedert und in einzelne Gartenzimmer aufgeteilt, in denen Staudenbeete integriert sind. Kletterrosen und Waldreben umspielen Mauern, Gebäudewände und Bäume. Solitärbäume wie eine Trauerweide, ein Trompetenbaum oder eine amerikanische Eiche spenden Schatten. Unterhalb der Remise mit Grillplatz befindet sich ein Gartenteich mit Seerosen, der mit Schilf, Alchemilla, Inula und Farnen umwachsen ist. Daneben lädt eine Gartenlaube zum Genießen des Insektenspiels über dem Teichwasser ein. Im Küchengarten wachsen Kräuter und Gemüse für den Eigenverzehr. Im Gelände fällt ein Distelbeet mit der riesigen Eselsdistel ins Auge. Distelblüten ziehen Hummeln und Schmetterlinge magisch an. Neben dem Gemüsegarten steht ein kleines Gewächshaus. Es dient der Anzucht empfindlicher Pflanzen.

 

Der 6.000 m² große Landhausgarten senkt sich zu einer bewaldeten Schlucht, durch deren Grund ein kleiner Bach plätschert und in dem halbschatten- und schattenliebende Stauden und Gehölze das ihnen zuträgliche Wachstumsmilieu finden. Besonders an heißen Sommertagen ist der Waldgarten ein beliebtes Gartenzimmer.

 

Die Führung durch die Gartenbesitzerin hat unserer Reisegesellschaft gut gefallen, wenn auch wegen des extremen Witterungsverlaufs in diesem Jahr bereits alle Rosen und Waldreben verblüht waren. Ute Brehm konnte uns aber mit Getränken, einer herrlichen Eissplittertorte und anderen Kuchenköstlichkeiten am Ende unseres Gartenbesuchs verwöhnen, so dass der Mangel an blühenden Rosen mehr als ausgeglichen wurde.

 

Garten Findling

 

Die Gartenanlage liegt im Kirchdorf Thier. Thier ist eines von sieben historischen Kirchdörfern der Stadt Wipperfürth und liegt etwa acht Kilometer von ihr entfernt auf einem bergischen Höhenrücken. Die Gartenanlage überrascht durch ihre Einzigartigkeit.

 

Für Gartenfreunde, die an alpinen Stauden, an klein- und schwachwüchsigen Gehölzen sowie an Raritäten aus Hexenbesen ihre besondere Freude haben, ist der Besuch dieser Gärtnerei ein wahres Paradies. Der gut 10.000 m² große Schaugarten hinter dem Wohnhaus ist das Ergebnis der Sammelleidenschaft von Margret Koppenhagen und ihrem Ehemann Klaus, in dessen Hofstelle sie eingeheiratet hat. Mit dem Wachsen der zunächst privaten Gartenanlage entschlossen sie sich im Jahre 2001 eine Gärtnerei zu gründen und den Schaugarten für Besucher zu öffnen, zumal Tochter Steffi Gefallen am Gärtnern fand. Heute führt Steffi Krampe-Koppenhagen den Betrieb.

 

Das vom Wohnhaus leicht aufsteigende Gelände wurde von Klaus Koppenhagen in mehreren Ebenen durch Wege, Treppen, Trockenmauern aus Grauwacke sowie mit einem Bachlauf und Teichen strukturiert und erschlossen. Sitzplätze und Pavillons laden zum Ruhen und Betrachten besonderer Szenerien ein. Findlinge, fossile Kalksteine, Steintröge und Schotterbeete stiften das zugehörige Pflanzenmilieu und lassen eine alpine Atmosphäre entstehen.

 

Die zugehörige Pflanzenwelt ist das Metier von Margret Koppenhagen und ihrer Tochter Steffi. Das Sammelvirus infizierte Margret als sie sich mit der Gattung Sempervivum - dem Hauswurz - näher befasste. Es faszinierte das Formenspiel der zwergigen Hauswurzgesellschaft in ihrer Arten- und Formenvielfalt. Steinbreche, Kugelblume, Storchschnabel und Thymian in ihren Zwergformen erweiterten allmählich die Sammlung. Schließlich kamen langsam wachsende Kleingehölze und Raritäten aus Hexenbesen hinzu. Den erforderlichen Höhenkontrast im Gelände liefern beispielsweise Hartriegel, japanische Ahorne, Weißdorne, bizarr wachsende hohe Koniferen

oder Wildclematis an Klettergerüsten. In den Schattenpartien nahe dem Wohnhaus unter Mammutbäumen, Hemlockstannen und Japanahornen wachsen Farne, Elfenblumen und eine Vielzahl von Funkiensorten. Alle im Gartengelände integrierten Pflanzen dienen als Mutterpflanzen zur Vermehrung - für die beide Damen die Verantwortung tragen. Die vermehrten Jungpflanzen stehen in Töpfen unter Schattenhallen nahe dem Wohnhaus.

Dort können Kunden ihre Schätze aussuchen und erstehen.

 

Die Rosenfreunde Dortmund bedanken sich an dieser Stelle nochmals bei den Gartenbesitzern für die interessanten Informationen über die Entstehung und Entwicklung ihrer Gärten. Von ihren Erfahrungen haben sie wieder einmal profitiert.

 

Unsere Reiseleiterin Brigitte Ruhnau möchte mit dieser schönen Tagesreise ihr langjähriges Engagement in der Planung und Leitung von eintägigen Reisen beenden. Das insbesondere deshalb, weil der Zuspruch in der letzten Zeit erheblich zurückgegangen ist. Das betrübt die Reisetreuen einerseits, ist ihnen aber verständlich. Sie werden ihr langjähriges Reiseengagement, ihre Reisetexte und ihre kulinarische Betreuung vermissen. Unter ihrer Leitung haben sich die Reiseteilnehmer stets wohlbehütet gefühlt.

 

Herzlichen Dank, liebe Brigitte!

 

 

Fotobuch:

https://www.posterxxl.de/onlinefotobuch-ansehen?widgetId=3b204810-5d83-47c6-aaec-06397cb6907d&securityId=00aa03d1-7104-4713-a207-425e1c57ced3

 

Text:     Ulrich Perpeet

Bilder:  Ulrich Perpeet, Fotobuch von Brigitte Ruhnau

Zusätzliche Informationen über die Gärten

Hanggarten Meyer:

 

Ein Zeitungsbericht über Günther Meyer und seinen Garten

https://www.rundschau-online.de/region/oberberg/nuembrecht/nuembrecht-67-jaehriger-pflegt-in-rose-einen-rund-8000-quadratmeter-grossen-garten-257137

 

Hof Tüschenbonnen:

 

Ein bebilderter Bericht über den Besuch des Hofgartens Tüschenbonnen

https://lieblingsalltag.de/ausfluege/hof-tueschenbonnen-garten/

 

Ein Videostreifen des WDR über einen Hausbesuch im Hof Tüschenbonnen https://www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/lokalzeit-bonn/hausbesuch-12-hof-tueschenbonnen-100.html

 

Garten Findling:

 

Eine Sammlung von Fotos aus dem Garten von Steffi Krampe-Koppenhagen

im Netz unter:   ´Gärtnerei – Fotos von Steffi Krampe-Koppenhagen´

 

Bu, 30.07.26