Clematis und Kletterrosen

Clematis viticella ´Julia Correvon´ und Rambler ´Awakening´ (copyright M. Schumann)

 

Am Samstag, dem 17. Februar 2024, hatten sich gut 40 Teilnehmer zu der Vortragsveranstaltung über Clematis und Kletterrosen im Ballettzentrum des Westfalenparks eingefunden, zu der die Rosen- und Staudenfreunde Dortmund eingeladen hatten.

 

Der Referent Klaus Körber, Vizepräsident der Deutschen Rosengesellschaft

und Diplomingenieur der Fachrichtung Gartenbau mit den Schwerpunkten Obstbau und Baumschule, ist seit 1989 an der Bayrischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau in Veitshöchheim tätig. Sein Ruf als exzellenter Fachmann und humorvoller Redner hatte viele Zuhörer ins Ballettzentrum gelockt, die nicht enttäuscht wurden. Er ließ die Teilnehmer mit begeisternden Worten und Gesten spüren, mit wie viel Herzblut er seinen Beruf ausübt und wie biodivers er sich für Boden und Pflanze einsetzt. Von den Ergebnissen seiner langjährigen Sichtungsarbeiten bei Clematis und Kletterrosen haben alle Teilnehmer wertvolle Tipps für den eigenen Garten mitnehmen können.


Klaus Körber lenkte den Blick bei den Clematis besonders auf die Gruppe der Italienischen Waldreben, den „Viticellas“, die leicht an ihren nickenden Knospen zu erkennen sind.  Deren Sorten blühen erst Ende Juni an den neuen Jahrestrieben.

Sie sind resistent gegen die Clematiswelke, welche oft Probleme bei den früher blühenden großblumigen Hybriden bereiten kann. Viticellas sollten im Winter generell auf 10 bis 30 cm über dem Boden zurückgeschnitten werden. Beim Pflanzen – und das sollte bei allen Clematis beachtet werden – muss mindestens ein Augenpaar mit in den Boden, damit die Pflanze gut frostgeschützt von dort wieder willig austreibt. Clematis lieben einen humosen und gut abzugsfähigen Boden und eine gute Humusauflage um das Pflanzloch herum. Als Dünger empfiehlt Klaus Körber generell nur noch aus der Palette der organischen Düngemittel auszuwählen, damit auch das Bodenleben gefördert wird. Tenor: „Ist das Bodenbiom gesund, bleiben auch die Pflanzen gesund“.

 

Wie die Rosen sind auch Waldreben recht nährstoffbedürftig, daher sollte mit organischem Dünger nicht gespart werden. In Phasen mit trockenem Wetter ist ein kräftiges Wässern angebracht. Bei einigen frühblühenden Sorten macht in letzter Zeit die Clematisfliege Probleme, weil durch Fraßtätigkeit deren Made die Blüten verkrüppeln. Für solche Fälle kann ein Rückschnitt helfen; die Clematis blüht nach Durchtrieb dann später.

Sein Resüme zu den Italienischen Waldreben: „Für Waldreben-Einsteiger sind die Viticellas der Goldstandard!"

 

Neben dem Sortiment der Italienischen Waldreben wurden auch viele bekannte Sorten der „Patens-Gruppe“, der „Jackmanii-Gruppe“, der „Integrifolia-Gruppe“ und der Wildarten wie „Alpina-Gruppe“, „Macropetala-Gruppe“, „Montana-Gruppe“, „Texensis-Gruppe“ oder „Tangutica- Gruppe“ vorgestellt, die jeweils in besondere

Schnittgruppen eingeordnet sind und eine jeweils spezifische Schnitthöhe und einen spezifischen Schnittzeitpunkt erfordern. Dazu verteilte der Referent eine `Clematisliste für Einsteiger´ als Auswahlhilfe.

 

Alle Waldreben lassen sich mit Kletterrosen zärtlich vereinen, wobei sie

je nach Blühzeitraum gemeinsam erblühen oder den Blühzeitraum verlängern. Natürlich können Waldreben auch an anderen Kletterhilfen wie an Ziersträuchern, Bäumen, Pergolen, Zäunen oder Obelisken gepflanzt werden. Bei einer Kombination mit Kletterrosen ist empfehlenswert, der Rose einen Vorsprung von zwei bis drei Wachstumsjahren zu lassen, weil sie dann schon tiefer eingewurzelt ist und nicht mehr so in Konkurrenz mit einer eher flachwurzelnden Waldrebe tritt. Bei gleichzeitiger Pflanzung sollte ein Abstand von etwa einem Meter eingehalten werden. Aus der Rosenliste „ADR oder Hot“ stellt Klaus Körber eine Auswahl vor und ging dabei auf ihre besonderen Eigenschaften ein. Stark im Kommen sind die Duftenden, so der Referent. Der Trend geht heute zu den gut durch Stecklinge zu vermehrenden Sorten, da sich für die schweißtreibende, rückenbelastende und kostenträchtige Veredlungsarbeit kaum noch Fachkräfte finden lassen. Hinzu kommt das Problem des engen Zeitraums, in dem Rosen überhaupt veredelt werden können.

 

Die empfohlenen „ADR-Sorten“ sind geprüfte, blühfreudige und blattgesunde Rosen,

mit denen auch der Rosenlaie nichts falsch machen kann. Die in der Liste als „Hot“ bezeichneten Sorten sind neue und bekannte „heiße Sorten“, die ebenfalls  empfehlenswert sind. Diese aktuelle Liste, in der auch Strauch-, Edel-, Beet- und Zwergrosen aufgeführt sind, entstammt ebenso wie die Clematisliste der Feder von Klaus Körber.

 

Wenn Klaus Körber vorträgt, ist er so in seinem Element, dass er darüber die Zeit vergisst. So musste unser Vorsitzender Hermann Kopp ihn ausbremsen, damit er noch den Zug für seine Heimreise erwischt. Wie wir inzwischen wissen, ist es ihm gerade noch gelungen.

 

Die Teilnehmer dankten ihm mit lang anhaltendem Applaus für den herzerfrischenden Vortrag.

 

Pe, 02/24