Der Park des Landhauses Scampston Hall: Ein Garten – zwei Gestalter

Im Mittelpunkt eines reich bebilderten Vortrags am 21. März 2026 erläuterte Monika Müller aus Heiligenhaus die Geschichte des Parks am Landhaus Scampston Hall in North Yorkshire, England. Im 18. Jahrhundert gestaltete Lancelot „Capability“ Brown den 1,7 Quadratkilometer großen Park im Stil seiner Zeit als Landschaftsgarten. Im Laufe der Jahrhunderte gab es zahlreiche Erweiterungen und Umgestaltungen. Eine bedeutsame Umgestaltung des ummauerten Gartens durch Piet Oudolf wurde im Jahre 2004 eröffnet.

Lancelot „Capability“ Brown (1716-1783) und Piet Oudolf (geb. 1944) gehören zu den einflussreichsten Gestaltern der Gartenkunst — obwohl zwischen ihren Werken mehrere Jahrhunderte liegen. Monika Müller stellte in ihrem Vortrag zwei scheinbar gegensätzliche Protagonisten einander gegenüber: einen großen Erneuerer der englischen Landschaftsgärten des 18. Jahrhunderts und einen prägenden Pflanzengestalter unserer Zeit.

Anhand des außergewöhnlichen Anwesens Scampston Hall zeigte sie, wie Browns revolutionäre Landschaftsprinzipien und Oudolfs zeitgenössischen Pflanzbilder in einem historischen Gesamtgarten aufeinandertreffen - und sich überraschend ergänzen.

Eine reich bebilderte Präsentation veranschaulichte die Umgestaltung des ehemaligen Küchengartens von Scarnpston Hall durch Piet Oudolf und beleuchtete zugleich die Gestaltungsprinzipien Lancelot Browns, die in der damaligen Zeit große Auswirkungen hatten und bis heute nachwirken.

Piet Oudolf und sein gärtnerisches Gestalten

Typisch für Oudolfs Beete sind das reiche Farben- und Formenspiel, beispielsweise mit Stauden in Purpurtönen vom hellen bis zum dunklen Violett, aufgelockert durch Ziergräser. Er verwendet gerne neue Züchtungen beispielsweise der Schafsgarbe, Rasselblume, Scabiose oder Katzenminze und achtet auf eine abgestimmte Höhenstaffelung. Dazu setzt er gelegentlich Sträucher wie den Essigbaum. Selbst vom Herbst bis zum Winter sind seine Beete noch dekorativ.

Zur Philosophie der Gestaltungen von Piet Oudolf sagte Monika Müller: „Er ist bekannt für seinen innovativen Ansatz, der Natur und Kunst vereint: Betonte Verwendung von Stauden und Gräsern, die das ganze Jahr über ein dynamisches Bild bieten. Seine Arbeiten sind von der Natur inspiriert, aber gleichzeitig für die menschliche Wahrnehmung optimiert. Seine strukturierten Pflanzengesellschaften wirken zugleich wild und kontrolliert.

Oudolf bevorzugt Pflanzen, die in verschiedenen Jahreszeiten unterschiedlich wirken, und plant seine Gärten so, dass sie immer visuell interessant sind - sei es im Frühling, Sommer, Herbst oder Winter. Ein besonderes Augenmerk legt er auf die Texturen, Formen und die jahreszeitlichen Veränderungen der Pflanzen. Er versteht die langfristige Entwicklung und das „Verfallen" von Pflanzen nach dem Höhepunkt ihrer Blüte als integralen Bestandteil des Gartenbildes. Ein herausragendes Merkmal seiner Entwürfe ist die wirkungsvolle Integration von Wildblumen, Gräsern und Stauden, die zu jeder Jahreszeit eine natürliche Schönheit haben und den Betrachter zu einer tieferen Verbindung mit der Natur einladen.“

Soweig Engel dankte der Referentin für den gelungenen und vielseitig bebilderten Vortrag und überreichte ein Präsent.

Text: Heinz Helmut Bussemas

Fotos: Brigitte Ruhnau, Ulrich Perpeet, Heinz Helmut Bussemas