Karl Foerster - Ein Leben für die Stauden
Auf Einladung der Dortmunder Rosenfreunde waren am 17.Oktober 25 interessierte Gartenfreunde zum Vortrag der Gartenjournalistin Antje Peters-Reimann ins Ballettzentrum gekommen. Vor Beginn des Vortrags konnten sich die Gäste mit Kaffee, Tee und selbst gebackenen Kuchen der Rosenfreunde stärken.
Züchter, Gartenpoet, Schriftsteller
Karl Foerster hat uns mit seinem züchterischen Erbe wunderbare Pflanzen geschenkt und unser Wissen über naturnahe Pflanzenverwendung geweitet. Seine scharfe Beobachtungsgabe und seine poetische Sprache fanden in vielen
Büchern ihren Niederschlag, in welchen er seine Beobachtungen und Erkenntnisse fixierte, wobei ihm seine Ehefrau Eva redigierend zur Seite stand. So lautete der Tenor der Referentin zu Beginn des Vortrags
Werdegang
Danach beschrieb sie zunächst die einzelnen Lebensetappen des Menschen und Gärtners Karl Foerster. Er begann fünfzehnjährig eine Gärtnerlehr in der Schlossgärtnerei Schwerin, besuchte anschließend die Gärtnerlehranstalt Potsdam-Wildpark und absolvierte eine zehnjährige Gehilfenzeit im Schloss Altenstein, in Geisenheim, in Bodhigera und in Ahrensburg und begann 1903 den Aufbau einer eigenen Gärtnerei in Berlin-Westend. Als die Fläche für die Anzucht von Stauden zu klein wurde, verlegte er die Gärtnerei nach Potsdam-Bornim und baute ein eigenes
Wohnhaus. 1927 heiratete er die 25jährige Sopranistin Eva Hildebrandt, die ihm 1931 die Tochter Marianne gebar. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte er schon große Züchtungserfolge mit Delphinium elatum - dem Rittersporn – und mit seinen Phloxen, die zu seinen Lieblingsstauden gehörten. Foerster: „Ein Garten ohne Phlox ist ein Irrtum!“
Mit bedeutenden Weggefärhrten aus Kunst, Musik, Architektur und Landschaftsplanung entstand in den 20iger und 30iger Jahren der sogenannte „Bornimer Kreis“, deren Mitglieder sich unregelmäßig im Hause Foersters trafen. Zu ihm zählten zum Beispiel
Garten- und Landschaftsarchitekten wie Hermann Mattern, Richard Hansen, Gottfried Kühn, der Architekt Hans Maroun oder der Musiker Richard Kempff.. Sie entwickelten den Bornimer Gartenstil, in welchem die naturbewußte Pflanzenverwendung den absoluten Vorrang hatte.
1934 gründete Karl Foerster mit Hermann Mattern und Herta Hammerbacher die „Arbeitsgemeinschaft Gartengestaltung“. Fünf Jahre später wurde auf seine Anregung ein öffentlicher Schaugarten auf der Freundschaftsinsel angelegt, in dem er seine Staudenzüchtungen einer breiten Öffentlichkeit präsentieren konnte. Sein züchterisches Spektrum umfasst neben Rittersporn und Phloxen auch Astern, Glockenblumen, Iris, Sonnenbraut, Sonnenauge ,Mohn und Gräser, wobei er
besonders bei den Stauden auf leuchtende, klare Farben, auf Standfestigkeit, Langlebigkeit und Widerstandsfähigkeit gegenüber Pilzkrankheiten Wert legte.
In der NS-Zeit kamen Züchtungsarbeit und Staudenversand der Gärtnerei zum Erliegen. Sie lebten erst nach dem Krieg wieder auf.
Hochbetagt und geehrt starb Karl Foerster im Alter von 96 Jahren in Bornim.
Erbe
Zu Foersters Erbe zählen neben dem denkmalgeschützten Ensemble des Karl-Foerster-Gartens und neben seinen zahllosen Staudenzüchtungen, deren Sorten meist poetische Namen tragen – wie etwa „Gletscherwasser“ oder „Puderquaste“ –
besonders auch seine schriftstellerische Arbeit mit seinen fachlichen und poetischen Liebeserklärungen an seine Stauden. Zu den Standardwerken für Gartenliebhaber und Staudenfreaks zählen beispielsweise die Bücher mit den Titeln „Vom Blütengarten der Zukunft“, „Der Steingarten der sieben Jahreszeiten“, „Der blaue Schatz der Gärten“ oder „Der Einzug der Gräser und Farne in die Gärten“.
"Lost Garden"
Die Referentin ging am Ende ihres Vortrags auf einen von ihr wiederentdeckten Garten ein, dessen ursprüngliche Entwicklung auf dem Bornimer Gartenstil beruht.
Alte Gartenpläne erbrachten den Beweis. Sie hat dafür gesorgt, dass der etwas verwilderte Garten wieder in den Ursprungszustand zurückgebaut wurde und so als Beispiel Foersterscher Gartenkultur erhalten wird.
Mit langem Applaus bedankten sich die Vortragsteilnehmer bei der Referentin für ihren informativen Vortrag. Sie haben einen wunderbaren Einblick in das Leben und Wirken einer Persönlichkeit erhalten, dessen gartengeschichtlicher Bedeutung zeitlos sein wird. Ein schönes Zubrot war auch das von ihr geschriebene Buch „Karl Foerster – Ein Leben für die Stauden“, welches die Vortagsteilnehmer erwerben konnten.
Unsere Fördervereinsvorsitzende Solveig Engel übergab
zum Abschied einen Blumenstrauß und wünschte eine gute Heimreise.
Text und Bilder: Ulrich Perpeet
Karl Foerster: Überblick über ein Züchterleben / Wissenschaft für die Zukunft:
https://www.youtube.com/watch?v=lPaQokgmI1c
Einen schönen Einblick in das Foerstersche Wohnhaus und die zugehörigen Gartenanlagen erhält der Leser, wenn er auf den nachfolgenden Link klickt!
https://www.youtube.com/watch?v=hqRqBbETixo
Pe, 27.10.26